Person
Jürgen Hoffmann
Unternehmer, Verkaufstrainer, Coach und Autor.
Mich interessiert seit vielen Jahren dieselbe Frage: Was hilft Menschen und Unternehmen, nicht nur etwas zu verstehen, sondern tatsächlich handlungsfähig zu werden?
Im Vertrieb bedeutet das für mich: raus aus der Theorie und hinein in reale Gespräche, Entscheidungen und Erfahrungen. Beim Thema KI bedeutet es heute etwas sehr Ähnliches: nicht nur beobachten, was andere darüber sagen, sondern selbst ausprobieren, verstehen und danach bewusst entscheiden.
Genau zwischen diesen beiden Erfahrungswelten bewegt sich meine Arbeit heute.

Ich war Unternehmer, bevor ich Trainer wurde.
Mein beruflicher Weg war nie geradlinig. Ich habe verkauft, Unternehmen aufgebaut, digitale Lösungen entwickelt, Projekte scheitern und wachsen sehen, Menschen trainiert und mich immer wieder in neue Themen hineingearbeitet.
1997 gründete ich 3wConsult als Internetagentur. Zwei Jahre später wurde der Markt bereits spürbar voller, Websites austauschbarer und der Preisdruck größer. Für mich war das ein Wendepunkt.
Ich wollte nicht einfach eine weitere Agentur sein, die möglichst schnell eine Website verkauft. Mich interessierte viel stärker, was ein Kunde mit einer neuen Technologie in seinem konkreten Geschäft sinnvoll verändern konnte. Heute würde ich sagen: Nicht zuerst die Lösung verkaufen. Erst das Geschäft verstehen.
VIDEOTAXI: Eine gute Idee ist erst der Anfang.
1999 entstand aus dieser Haltung VIDEOTAXI Media Store. Die Ausgangsidee war zunächst einfach: Wenn Kunden Pizza bestellen und geliefert bekommen können, warum sollten sie Filme nicht online auswählen und ebenfalls geliefert bekommen?
Ich hatte die Kundensicht, aber keine Ahnung davon, wie eine Videothek im Inneren funktioniert. Deshalb suchte ich mir in Kürten einen Videothekar, der bereit war, die Idee als Pilotpartner mitzuentwickeln. Das war für mich ein wichtiger Lernmoment: Ich musste nicht so tun, als wüsste ich alles. Meine Aufgabe war, die richtige Frage zu stellen, Kundennutzen und Geschäftslogik zusammenzubringen und Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen an einen Tisch zu holen.
Ich war dabei verantwortlich für Konzept, Geschäftslogik und Führung des Projekts – aber kein Programmierer. Technisch starteten wir mit einem Freelance-Entwickler; später wuchs daraus ein Team.
Aus dem zunächst sichtbaren Online-Bestell- und Liefermodell entwickelte sich Schritt für Schritt eine wesentlich tiefere digitale Lösung: Kundenkommunikation, datenbankgestützte Prozesse, automatisierte Bestell- und Rückführungslogik sowie Vendor Management. Lieferanten konnten relevante Warenbestände einsehen. Verkaufstitel wurden anhand klarer Regeln nach Absatz und Bestand gesteuert, nachbestellt oder zurückgeführt. Diese Warensteuerung war Teil eines Kommissionsmodells, bei dem Ware bis zum Verkauf Eigentum der Filmindustrie blieb.
Die für mich wichtigste Erkenntnis daraus ist heute nicht: „Wir waren damals schon digital.“ Sondern: Die erste sichtbare Anwendung einer neuen Technologie ist nicht zwingend ihr größter Nutzen. Den findet man oft erst, wenn man das Geschäft wirklich versteht.
Bilder aus der VIDEOTAXI-Zeit



Pressebeleg aus der Zeit
Zeitgenössischer Pressebeleg zu VIDEOTAXI, Bergisch Gladbach – öffentliche Nutzung freigegeben.
Presseartikel ansehen →Und gute Technologie löst noch kein Transformationsproblem.
VIDEOTAXI hat mir ebenso gezeigt, wie schnell man eine gute Idee mit einem einfachen Marktdurchbruch verwechselt. Die ersten Kunden waren begeistert. Rückblickend weiß ich: Early Adopter sind ein wertvoller Hinweis, aber keine Marktvalidierung.
Dazu kamen reale Umstellungshürden. Wer sich vollständig auf das System einließ, musste Warenwirtschaft, Bestände, Kennzeichnung, Außenauftritt und Arbeitsabläufe verändern. Eine gute Lösung kann wirtschaftlich sinnvoll sein und trotzdem hohe Wechselkosten verursachen. Mit dem Crash des Neuen Marktes veränderten sich Finanzierungsmöglichkeiten, Prioritäten und Zeithorizonte schlagartig.
Auch daraus habe ich gelernt: Technologie, Kapital und Partnerschaften kann man organisieren. Unternehmerische Verantwortung kann man nicht auslagern. Und ein gemeinsamer äußerer Veränderungsdruck bedeutet nicht automatisch, dass Marktteilnehmer gemeinsam handeln.
LIFE’S COOL: Entwicklung in der Praxis.
2008 entstand LIFE’S COOL als Initiative, 2009 folgte die GmbH. Der Schwerpunkt meiner Arbeit verlagerte sich immer stärker auf Verkauf, Akquise und Kompetenzentwicklung.
Seit 2013 begleite ich Verkäufer von Volkswagen Nutzfahrzeuge in der Akquise- und Vertriebsentwicklung. Der Kern dieser Arbeit ist bis heute Coaching on the Job: reale Kunden, reale Gespräche, echte Beobachtung und direktes Feedback. Denn ein Trainingstag kann einen starken Impuls setzen. Ob daraus Können wird, entscheidet sich aber im Alltag.
Menschen entwickeln sich nicht dadurch, dass ihnen jemand nur erklärt, wie etwas geht. Entwicklung entsteht durch eigenes Tun, Rückmeldung, Wiederholung und die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen.
Dann kam generative KI – und ich wollte es selbst wissen.
Als generative KI neue Möglichkeiten eröffnete, wollte ich nicht nur darüber lesen oder mir von anderen erklären lassen, was sie angeblich verändern würde. Ich wollte selbst verstehen, was damit in meinem eigenen Arbeitsfeld möglich ist.
Also begann ich zu experimentieren – ohne Programmiererbiografie und ohne fertigen Masterplan. Mit Fragen, Versuchen, Fehlannahmen, Korrekturen und immer neuen Schleifen. Dabei entstand mit der Zeit ein spezialisiertes KI-Arbeitssystem, mit dem ich reale Probleme meiner Trainingspraxis bearbeitete.
Eine dieser Fragen lautete: Wie kann Kompetenzentwicklung regelmäßiger, individueller und näher an realen Gesprächssituationen stattfinden – auch zwischen persönlichen Trainingstagen? Aus dieser Arbeit entstand Club120. Nicht, weil ich unbedingt ein KI-Produkt bauen wollte. Sondern weil ein reales Problem auf eine neue technologische Möglichkeit traf.
„120 – Ein Selbstversuch“
Aus dem Experimentieren entstand noch etwas anderes: ein Buch. „120 – Ein Selbstversuch“ dokumentiert meinen Weg mit generativer KI und die Zusammenarbeit mit spezialisierten KI-Systemen an einem realen Projekt.
Es ist kein KI-Lehrbuch und keine Anleitung, es genauso zu machen. Mich interessiert darin vielmehr die Frage, was mit einem Menschen selbst passiert, wenn er sich auf eine neue Form der Zusammenarbeit einlässt, sich korrigieren lässt, Annahmen verwirft und beginnt, Möglichkeiten zu sehen, die vorher außerhalb des eigenen Erfahrungshorizonts lagen. Für mich ist das Buch deshalb kein Abschluss, sondern eine Einladung zur eigenen Auseinandersetzung.
Warum ich heute mit Unternehmern über KI spreche.
Ich positioniere mich nicht als KI-Guru und nicht als allgemeiner Technologieexperte. Meine Perspektive ist die eines Unternehmers und Praktikers, der technologische Veränderung schon einmal aus nächster Nähe erlebt hat – mit Chancen, Fehleinschätzungen, Wachstum, Kosten, Reibung und Entscheidungen. Und der heute ein zweites Mal bewusst beschlossen hat: Ich will nicht warten, bis andere mir erklären, was diese Technologie mit meiner Arbeit macht.
Technologie ist delegierbar. Unternehmerische Verantwortung nicht.
Nicht jeder Unternehmer muss KI selbst programmieren oder dauerhaft operativ führen. Aber wer Verantwortung trägt, sollte genug eigenes Verständnis entwickeln, um entscheiden zu können: Was macht in meinem Unternehmen überhaupt Sinn? Wo liegt echter Nutzen? Was kostet die Einführung – an Geld, Zeit und Aufmerksamkeit? Was sollte ich selbst führen, und wo brauche ich qualifiziertes Sparring?
Was mich dabei leitet.
Ich glaube nicht an Patentrezepte. Menschen sind verschieden. Unternehmen sind verschieden. Technologien verändern sich. Und aus einer guten Idee wird noch lange kein gutes Ergebnis.
Was ich für wichtig halte, sind Neugier, Selbstverantwortung, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, die eigene Meinung zu verändern, wenn neue Erfahrung etwas anderes zeigt. Ich möchte niemandem erklären, wie er sein Leben oder sein Unternehmen zu führen hat. Aber ich stelle gerne Fragen, die unbequem genug sind, um Bewegung auszulösen – und arbeite am liebsten mit Menschen, die bereit sind, daraus selbst etwas zu machen.
Worüber möchten Sie sprechen?
Wenn Sie mich wegen Akquise-Coaching, eines Vortrags oder eines unternehmerischen Austauschs kontaktieren möchten, freue ich mich auf ein persönliches Gespräch.
