Impuls — Unternehmertum & KI
Technologie ist delegierbar. Unternehmerische Verantwortung nicht.
KI verändert nicht automatisch jedes Unternehmen. Aber sie verändert die Möglichkeiten, mit denen Unternehmer heute arbeiten, entscheiden und gestalten können.
Mein Vortrag ist deshalb keine Tool-Show und kein Aufruf, möglichst schnell überall KI einzubauen. Er ist ein Weckruf: Überlassen Sie die Frage, was KI für Ihr Unternehmen bedeutet, nicht vorschnell anderen.

Die wichtigste KI-Frage beginnt nicht bei der KI.
„Was kann KI?“ ist eine interessante Frage. Für Unternehmer ist eine andere wichtiger: Was macht in meinem Unternehmen überhaupt Sinn?
Wo verlieren wir heute Zeit? Wo wiederholen Menschen dieselben Arbeitsschritte? Wo bleibt Wissen in Köpfen hängen? Wo warten Kunden unnötig? Wo treffen wir Entscheidungen mit zu wenig Information? Und wo würde eine neue Technologie nur Komplexität und Kosten erzeugen, ohne ein relevantes Problem zu lösen?
Wer diese Fragen nicht selbst stellt, läuft Gefahr, entweder zu früh zu investieren – oder zu lange zu warten.
Warum ich darüber spreche.
Ich bin kein Programmierer und möchte mich auch nicht als allgemeiner KI-Experte inszenieren. Ich bin Unternehmer, Verkaufstrainer, Coach und Autor – und ich habe in unterschiedlichen technologischen Umbrüchen selbst erlebt, wie viel davon abhängt, ob man Verantwortung übernimmt oder nur zuschaut.
1997 gründete ich 3wConsult. Als Websites Ende der 1990er-Jahre immer austauschbarer wurden, wollte ich nicht einfach Internetseiten verkaufen. Mich interessierte die Frage dahinter: Was kann diese neue Technologie im Geschäft eines Kunden wirklich verbessern?
1999 entstand daraus eine Erfahrung, die mich bis heute begleitet. Meine Frau und ich wollten an einem kinderfreien Wochenende Filme ausleihen. Die Videothek lag ungefähr zehn Kilometer entfernt. Eine Pizza aus ähnlicher Entfernung wurde uns problemlos nach Hause geliefert. Meine Frage war plötzlich sehr simpel: Warum bringt eine Videothek ihre Filme eigentlich nicht auch zum Kunden, wenn man sie online auswählen kann?
Am nächsten Morgen fuhr ich zu einem Videothekar in Kürten und fragte ihn, ob er bereit wäre, diese Idee mit mir als Pilot zu entwickeln. Ich kannte die Kundensicht. Er kannte sein Geschäft. Ein Entwickler brachte die technische Kompetenz ein.
Die ursprüngliche Idee war ein Online-Bestell- und Liefermodell. Im Verlauf zeigte sich für mich, dass der größere Nutzen weniger im Lieferdienst als in den tieferen Geschäftsprozessen lag: Kundenkommunikation, Warenbestände, automatisierte Nachbestellung, Kommissionsgeschäft, Rücksendelogik und Vendor Management.
Daraus blieb für mich eine Erkenntnis: Die erste sichtbare Anwendung einer neuen Technologie ist nicht zwingend ihr größter Nutzen. Den findet man häufig erst, wenn man das Geschäft wirklich versteht.
Eine gute Idee reicht nicht.
VIDEOTAXI hat mir noch etwas beigebracht: Technischer Nutzen allein entscheidet nicht über Erfolg. Frühe Kunden können begeistert sein – ohne dass der gesamte Markt sofort folgt. Eine sinnvolle Lösung kann trotzdem hohe Umstellungsaufwände verursachen. Finanzierung, Timing, Partner, bestehende Systeme und Interessen können eine gute Idee beschleunigen oder bremsen. Und nicht alles, was technisch möglich ist, sollte man auch umsetzen.
Diese Erfahrungen sind einer der Gründe, warum ich bei KI weder in Euphorie noch in Abwehr verfalle. Für mich gehören zu einer guten unternehmerischen Entscheidung immer mindestens vier Fragen:
- Welches reale Problem wollen wir lösen?
- Welchen Nutzen erwarten wir tatsächlich?
- Was kostet uns die Veränderung – an Geld, Zeit und Aufmerksamkeit?
- Was sollten wir bewusst nicht tun?
Dann kam generative KI. Und ich wollte es selbst wissen.
Auch diesmal wollte ich die Verantwortung für mein Urteil nicht an andere abgeben. Ich hatte aus meiner Trainingspraxis ein konkretes Problem: Persönliches Coaching kann viel auslösen, aber Kompetenz entsteht nicht an einem Trainingstag. Menschen brauchen Übung, Rückmeldung, Wiederholung und neue Situationen.
Also begann ich zu untersuchen, ob generative KI helfen kann, genau diese Lücke anders zu lösen. Nicht mit der Frage: „Was können wir mit KI bauen?“ Sondern: „Welches reale Problem haben wir – und kann KI helfen, es besser zu lösen?“
Aus diesem Selbstversuch entstand Club120, eine KI-gestützte Trainings- und Entwicklungsumgebung. Und aus der intensiven Zusammenarbeit mit spezialisierten KI-Systemen entstand zugleich mein Buch „120 – Ein Selbstversuch“. Club120 ist für mich deshalb kein Beweis, dass KI alles kann. Es ist ein Beleg dafür, was passieren kann, wenn man sich selbst ernsthaft mit einer neuen Technologie auseinandersetzt, statt die Verantwortung für die Frage vollständig zu delegieren.
Mein Drei-Stunden-Weckruf.
Nach meinem Vortrag müssen Sie keine KI-Strategie besitzen. Aber ich möchte, dass Sie eine Entscheidung nicht länger auf Basis von Schlagzeilen, Tool-Demos oder fremden Meinungen treffen. Investieren Sie drei konzentrierte Stunden.
Nicht nebenbei zwischen zwei Terminen. Nicht als Prompt-Spielerei. Sondern mit Ihrem eigenen Unternehmen auf dem Tisch: Kunden. Prozesse. Wissen. Kommunikation. Vertrieb. Führung. Administration. Entscheidungen. Arbeiten Sie in diesen drei Stunden selbst mit KI und stellen Sie ihr konkrete Fragen zu Ihrem eigenen Geschäft.
Danach treffen Sie bewusst eine von drei Entscheidungen:
- Ich will das Thema selbst führend weiterverfolgen.
- Ich hole mir qualifiziertes unternehmerisches Sparring mit echtem KI-Verständnis.
- Ich investiere vorerst nicht – aber aus einer begründeten Entscheidung heraus.
Drei Stunden machen niemanden zum KI-Experten. Aber sie können reichen, um aus Beobachtung Verantwortung werden zu lassen.
Was Sie von diesem Vortrag nicht bekommen.
Keine Liste der „10 KI-Tools, die jeder Unternehmer kennen muss“. Keine Untergangsrhetorik. Keine Behauptung, dass jedes Unternehmen jetzt ein KI-Projekt starten muss. Und keine Empfehlung, Verantwortung einfach an die nächste Agentur oder Softwareplattform weiterzugeben.
Was Sie bekommen sollen, ist eine unternehmerische Perspektive auf KI: mit eigenen Erfahrungen, Erfolgen, Irrtümern, konkreten Fragen und einer klaren Aufforderung zum eigenen Denken und Ausprobieren.
Für wen dieser Impuls gedacht ist.
Für Unternehmer und Entscheider, die KI weder zum Hype noch zum Nebenthema machen wollen. Für Führungskräfte, die Orientierung brauchen, bevor sie Budgets, Teams oder externe Dienstleister auf das Thema ansetzen. Für Verbände, Unternehmernetzwerke und Veranstaltungen, bei denen es nicht nur darum gehen soll, was technologisch möglich ist – sondern darum, was Menschen daraus verantwortlich machen.
Die Frage, die bleiben soll.
Welches „Club120“ steckt möglicherweise in Ihrem Unternehmen, das Sie heute noch nicht sehen, weil Sie KI entweder ignorieren oder zu früh delegieren?
Damit ist nicht gemeint, dass jedes Unternehmen ein neues Produkt entwickeln muss. Gemeint ist etwas Einfacheres: Welche Möglichkeit bleibt unsichtbar, solange niemand aus dem Unternehmen selbst gründlich genug hinschaut?
Kurzprofil für Veranstalter
Jürgen Hoffmann ist Unternehmer, Verkaufstrainer, Coach und Autor. Seit vielen Jahren begleitet er Menschen in realen Vertriebs- und Entwicklungssituationen. Bereits Ende der 1990er-Jahre entwickelte er aus einer Internetagentur heraus gemeinsam mit Partnern das Digitalisierungs- und Franchiseprojekt VIDEOTAXI. Heute beschäftigt er sich aus eigener Praxis mit generativer KI. Aus diesem Selbstversuch entstand Club120 sowie das Buch „120 – Ein Selbstversuch“. Sein Vortrag richtet den Blick nicht auf KI als Selbstzweck, sondern auf unternehmerische Führungsverantwortung im technologischen Wandel.
